Das Blockhaus – Die Älteste Behausung der Welt?
Ursprünge
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Holzbau in Mitteleuropa seinen Ursprung im waldreichen Norden hatte. Aus vorgeschichtlicher Zeit sind ab etwa 2500 v. Chr. Pfahl-, Palisaden- oder Flechtwerkbauten als die ältesten Holzbauten der Menschheit dokumentiert. Der Blockbau kann ab etwa 1200 v. Chr. nachgewiesen werden. Damit zählt die Blockbauweise zu der ältesten Bauweise der Welt!
Obwohl der Weg von den ersten, mit Steinwerkzeugen bearbeiteten Blockhütten bis hin zu unseren heute realisierten Naturstammhäusern unendlich lang ist, so ist das Prinzip bis heute unverändert: Waagrechte Balken sind an ihren Kreuzungspunkten miteinander verschränkt. Sie bilden die Gebäudehülle und gleichzeitig das Dachtragwerk. Gerade mit diesem Erbe ununterbrochener Tradition identifizieren sich viele handwerklichen Blockhausbauer.Â

Rückständig in Mitteleuropa
Bevor sich der Naturstammblockbau, so wie wir ihn heute verstehen und praktizieren, hierzulande etablieren konnte, musste er erst den weiten Umweg von Mitteleuropa über Nordamerika, namentlich Kanada, nehmen.
Spätestens bei beginnender Industrialisierung war in vielen mitteleuropäischen Ländern dem einfachen Rundstammblockhaus die sinngebende Notwendigkeit entzogen. Als Urform einer bodenständigen und völlig autark errichteten Behausung galt diese schlichte Hausform als rückständig und primitiv. Nach wie vor wurden zwar im ländlichen Raum Blockhäuser errichtet, jedoch übernahmen spezialisierte Handwerksbetriebe die Bauausführung und das verwendete Baumaterial kam in Form von vierkantigen Balken aus der Sägemühle zum Abbundplatz.
Überlebenswichtig im Neuen Land
Ganz anders hingegen die Entwicklung in Nord Amerika: hier begann ja die Geschichte des Blockhausbaues erst Mitte des 17. Jahrhunderts, als finnische und schwedische Emigranten diese Bauweise auf den neuen Kontinent brachten. Früh im 18. Jahrhundert erfuhr dann das Handwerk durch das Eintreffen deutscher Siedler weiteren Aufschwung. Wie kaum eine andere Bauweise eignete sich die Blockbauweise dazu, eine solide, sichere und warme Behausung in kürzester Zeit zu erstellen. Und Zeit war für die frühen Siedler
Typisches Blockhaus der frühen amerikanischen Siedler

überlebenswichtig: Zum einen folgte einem kurzen Sommer oft ein brutaler Winter und zudem musste schnellstmöglich Land gerodet und urbar gemacht werden. Die zum Blockbau notwendige Technik konnte leicht erlernt werden und der sagenhafte Holzreichtum vieler Gegenden tat sein Übriges. Auch wenn viele der einfach gezimmerten, zweckgebundenen Blockhütten kurze Zeit nach ihrer Entstehung durch aufwändigere ersetzt wurden, so prägte sich doch das „wilderness cabin" aus runden, naturgewachsenen Stämmen in das Nordamerikanische Bewusstsein als DER Haustypus schlechthin ein.
In den 30er Jahren des 20. Jh., während der großen Wirtschaftskrise in Amerika, wurden tausende von Männern in Arbeitslosenprogrammen eingegliedert, um für den Park- und Forstservice einfache Zweckbauten aus runden Stämmen zu errichten. Im Rahmen eines solchen Programms entstand auch das großartige „Chateau Montebello" im kanadischen Bundesstaat Quebec, das bis heute Maßstäbe in der Verbauung von runden Stämmen setzt.

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Chateau Montebello in Quebec, Kanada
Neue Blüte in den 60ern
Aber auch in Amerika und Kanada mußte in neuerer Zeit der Blockbau Platz machen für wirtschaftlichere Hausbauarten, Ständerwerks- und Holzrahmenbau etwa, um Ende der 60er Jahren mit dem Einsetzen einer umfassenden „Back to Nature"- Bewegung zu neuerlicher Blüte zu gelangen.
Namentlich ist es Bernard Allen Mackie zu verdanken, dass das Wissen um die Rundstammverbauung kanalisiert, optimiert und effizient verbreitet wurde. In Abendkursen lehrte Allen Mackie den Blockbau, wie wir ihn heute als „Naturstammblockbau" kennen. 1971 veröffentlichte er sein (zunächst als Lehrschrift verfasstes) Buch „Building with logs" – bis heute ein Standardwerk auf diesem Gebiet mit vielfacher Auflage. Als Allen Mackie erkannte, dass die Kapazität einer Abendschule bei weitem nicht ausreichte, um das gewaltige Interesse junger Menschen am Blockhausbau aufzunehmen, gründete er im Jahre 1974 die „Allen Mackie School Of Logbuilding", die heute in mehreren Ländern der Erde aktiv ist. Allen Mackie war auch einer der Gründerväter der „Canadian Log Builders' Association", später „International Log Builders' Association" (ILBA), welche bestrebt ist, die Naturstamm Blockbauweise weltweit zu fördern.

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Gruppenbild der Teilnehmer der ILBA- Konferenz 2006
Im Chateau Montebello, Quebec, Kanada
Back to the roots
Es sollte noch eine Weile dauern, bis die, inzwischen zur „Naturstammbauweise" geläuterte, klassische Blockhaus-Urform ihren Weg wieder zurück zu ihren Wurzeln, nach Mitteleuropa, finden sollte. Die ersten Vertreter ihrer Art waren vor 25 Jahren hierzulande echte Exoten. Mittlerweile jedoch erfreut sich die Bauweise zunehmender Beliebtheit. Sie schießt sogar „über ihr Ziel hinaus" und inzwischen sind Naturstammhäuser auch weit ab von ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, beispielsweise im Mittelmeerraum – zu finden.