Der Schritt nach Osten
Ein bekanntes Dilemma in Deutschland: Steigende Lohnnebenkosten und betriebliche Auflagen sorgen für Unternehmerunmut und Produktverteuerung. Der Leidtragende ist am Ende der Kunde: entweder muss er für ein Produkt tiefer in den Geldbeutel greifen oder aber seine Ansprüche zurückschrauben. Auf den Bausektor übertragen kann das bedeuten, dass manch ambitioniertes Bauprojekt den finanziellen Rahmen aufgrund seiner aufwändigen Planung sprengt und damit unrealisierbar wird. Eine kreative Objektplanung scheitert damit am Kostenfaktor.
Einen Ausweg aus der Situation sah Stefan Sack, Geschäftsführer der Team Kanadablockhaus GmbH, in der Produktionsverlagerung in das Ausland.
Er hatte bereits geschäftliche Beziehungen zu Russland geknüpft. Doch nun sollte eine eigene Produktion für erstklassige Naturstammblockhäuser auf Russischem Boden gegründet werden – eine große Herausforderung! Nicht nur sollte eigenes Personal rekrutiert und in der kanadischen Blockbautechnik ausgebildet werden - auch die Firmenideologie sollte sozial orientiert und nach westlichem Vorbild ausgerichtet sein.
Vorbereitungen
Eine erste Sondierungsreise führte Stefan Sack und Nikolas Berwian, einen erfahrener Blockhausbauer, der sich dem abenteuerlichen Projekt angeschlossen hatte, zunächst in den Ural. Schnell war jedoch klar: So nicht! Korrupte Verhältnisse, ineffizientes Beamtentum und allgemeine Probleme mit der ungewohnten russischen Mentalität vereitelten vorab den Traum von der eigenen Produktionsfirma.
Eine Alternative wurde dann in Karelien gefunden, wo die gewaltigen Nadelholzvorkommen und die Grenznähe zum Nachbarn Finnland günstige Bedingungen versprachen.
Eine Phase intensiver Vorbereitungen begann: Maschinen und Arbeitsgeräte mussten zusammengestellt werden und deren Transport nach Russland organisiert werden. Nicht zuletzt mussten aber auch die betriebs- und arbeitsrechtlichen Aspekte zur Gründung der Tochterfirma in Russland erarbeitet werden.
Pionierarbeit
Während Nikolas dann gewissermaßen die Frontarbeit übernahm, lenkte Stefan von Deutschland aus die Geschicke der jungen Tochterfirma. Die Anfänge auf russischem Boden waren regelrechte Pioniersarbeit. Denn lange bevor das erste Kundenblockhaus begonnen werden konnte, musste der Bauplatz vorbereitet, die alte Halle instand gesetzt und eine Unterkunft für das Wachpersonal geschaffen werden.
Nikolas Berwian schreibt am 24.10.05 in seinem Tagebuch: „Wie erwartet verlangt die Stellung als Betriebsleiter von mir unglaublich viel Energie und Einsatz. Ich schlafe schlecht, meine Gedanken arbeiten ruhelos, auch in der Nacht - und ich finde kaum Ausgleich neben meiner Tätigkeit…Zugleich aber spüre ich Befriedigung und fühle mich bereichert: Ich erarbeite mir das Vertrauen und die Akzeptanz unserer Arbeiter und bewege etwas in ihnen, leite sie an zu produktivem und gemeinschaftlichem Arbeiten. Fast alle spüren das. Ein guter Start!"
Der Weg hat sich gelohnt
Längst ist die Tochterfirma dem Pionierstadium entwachsen: Inzwischen haben 50 Blockhäuser ihren Weg aus Russland zu einer zufriedenen Bauherrschaft gefunden.
Einen wesentlichen Schlüssel zu Betriebseffizienz und Firmenerfolg sieht Geschäftsführer Stefan Sack in der klaren Aufteilung der Arbeitsbereiche: Während die Tochter „Ladoga Log Home" in Karelien die Produktion übernimmt, verbleibt sowohl die Planungs- als auch die Vertriebskompetenz beim Mutterunternehmen in Baden-Württemberg.
Stets ist man um Weiterentwicklung der Naturstammtechnik bemüht und arbeitet eng mit Kompetenzträgern aus Europa und Nordamerika zusammen. Auch innerhalb Russlands wird man allmählich auf die leistungsstarke junge Firma aufmerksam.
Russland gilt als eine Wiege des Blockhausbaues: Wie nirgends sonst finden wir hier einzigartige Monumente der Holzbaukunst. „Made in Russia" hat eben Tradition!